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Tarean - Sohn d. Fluchbringers
Fantasy-Roman
Bernd Perplies
Egmont/Lyx, Aug. 2008
ISBN: 978-3802581809
352 S., broschiert
Preis: EUR 12,95

 

 

Making of "Tarean" - Kapitel 1:
Träume eines Filmwissenschaftsstudenten

Hallo, mein Name ist Bernd Perplies, ich bin der Autor von "Tarean - Sohn des Fluchbringers" und in den folgenden Wochen werde ich euch ein bisschen über die Entstehung meines Debütromans erzählen.

Warum ich das mache? Nun, weil ich mich selbst immer gefragt habe, wie so ein Roman entsteht. Über die Entstehung von Filmen kann man sich - spätestens seit der Einführung der DVD - zumeist in stundenlangen Dokumentationen bis ins Detail informieren. Über die Entstehung von Büchern ist dagegen meist so gut wie nichts bekannt. Wieso? Keine Ahnung.

Also habe ich beschlossen, "Tarean" - ganz nach filmischem Vorbild - mit Bonusmaterial auszustatten, das hier nach und nach veröffentlicht werden wird. Dabei verhält es sich mit diesen Beiträgen genauso wie mit den Features auf den DVDs: Man muss sie keineswegs kennen, um Spaß am "Hauptfilm" zu haben. Aber man erlebt diesen doch ganz anders, wenn einem der Blick hinter die Kulissen gewährt wurde.


Da ich andauernd von Filmen spreche, gleich zu Beginn eine Eröffnung, die aus dem Mund eines Romanautors überraschend klingen mag: Eigentlich fing "Tarean" als Filmprojekt an. Das war 1997, und ich studierte gerade an der Uni Mainz Filmwissenschaft. Ich hatte mich für ein Seminar zur Drehbuchanalyse eingeschrieben und mir dazu auch ein paar Bücher übers Drehbuchschreiben gekauft, darunter "Das Handbuch zum Drehbuch" von Syd Field.

Dieses Buch hatte den Untertitel " Übungen und Anleitungen zu einem guten Drehbuch" und handelte in mehreren Kapiteln davon, wie man ein Drehbuch schreibt. Das fing beispielsweise damit an, sich eine Geschichte in fünf Sätzen auszudenken, dann sollte man sich seiner eigenen erzählerischen Stärken und Schwächen bewusst werden, danach mittels eines so genannten Paradigmas die drei Teile der Handlung - Einleitung, Mittelteil und Schluss - herausarbeiten, ebenso wie die zwei Plot Points, die für dramatische Wendungen zwischen den einzelnen Teilen sorgen. Und schließlich ging es über das Exposé und die Charakterausarbeitung bis zum eigentlichen Skript.

Um dieses Handbuch zu testen und auch, weil ich gerne wissen wollte, ob ich imstande wäre, ein ganzes Drehbuch zu verfassen, nahm ich mir vor, Syd Fields Werk Kapitel für Kapitel abzuarbeiten. Und weil ich schon damals ein leidenschaftlicher Fantasy-Geschichten-Erzähler war, wollte ich natürlich das Drehbuch zu einem Fantasy-Film verfassen (übrigens, bevor das zum Boom im Kino wurde!). Ich dachte mir also eine Geschichte aus, die im Grundkonzept über das kommende Jahrzehnt hinweg bis in den "Tarean"-Roman erhalten geblieben ist. Das laß sich damals ganz grob wie folgt:

"Der Halbelf Aíren ist der Sohn eines Mannes, dessen Fehler einst die ganze Welt unter das Joch des Schwarzmagiers Calvas zwang. Als sich ihm die Möglichkeit zur Wiedergutmachung bietet, zieht er los, den "Herrscher über die Dämonen" herauszufordern. Auf seiner Reise erlebt er einige Abenteuer, findet eine Gefährtin und kommt mit sich und seiner Umwelt ins Reine. Am Ende wird das Böse in seine Schranken verwiesen."

Viele der Ideen, die heute in "Tarean" eingeflossen sind, wurden damals schon geboren. Es gab bereits die schicksalhafte Vision auf einem Friedhof, es gab eine Gruppe aus vier Personen (auch wenn es damals neben dem Helden noch ein Kobold, eine Menschenheilerin und ein Troll waren), es gab einen verrückten Erfinder mit einem Fluggerät und am Schluss hatte der Bösewicht einen langen, schadenfrohen Monolog in dem Sinne von "Alles entwickelte sich so, wie ich es vorhergesehen habe."

Ein Element, was allerdings später völlig herausgefallen ist, war die göttliche Ebene. In dem damaligen Drehbuchkonzept war Calvas nur der Scherge eines dunklen Gottes und Aíren ein Anhänger eines Gottes der Ordnung (wenngleich ein verbitterter). Und gerade gegen Ende kam es auch zu göttlichen Einmischungen, die - im Nachhinein betrachtet - nicht besonders clever von mir waren, denn sie entzogen den Helden die Verantwortung für Sieg oder Untergang.

Ich hatte bis dahin alle Kapitel des Buches brav durchgearbeitet, doch dann, als es daran ging, das Drehbuch tatsächlich zu schreiben, verlor ich den Mut (oder es kam mir irgendetwas anderes dazwischen), sodass das Projekt Ende November 1997 einschlief. Ein halbes Jahr später hatte ich noch einmal einen Motivationsschub und zwischen April 1998 und November 1999 entstanden immerhin ehrfurchtgebietende sechs Seiten Text, die den Prolog der Geschichte erzählten, der - fast wortwörtlich wie im Roman - von dem Vater des Helden handelte, der sich auf die Schlacht gegen Calvas und sein Heer vorbereitet.

Dann jedoch schien sich bei mir langsam die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass diese ganze Sache eigentlich Zeitverschwendung war, denn ein Drehbuch für einen Fantasy-Film hätte ich bestenfalls für die Schublade geschrieben (welche deutsche Produktionsgesellschaft hätte mir schon mal so 100 Millionen Euro für die Realisierung in die Hand gedrückt). Und so legte ich das Projekt ad acta - nur um mich knapp sieben Jahre später auf der Suche nach einem eingängigen Stoff für einen Debütroman wieder daran zu erinnern!

(Und was lernen wir daraus: Nie eine Idee wegschmeißen, nur weil sie einem im Moment unsinnig erscheint. Man weiß nie, wann man sie noch einmal gebrauchen kann.)

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